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Neuigkeiten aus der Welt der Filmschauspieler, Regisseure und Theaterschauspieler Ein Blick hinter die Kulissen und schau den Schauspielern beim Dreh und auf der Bühne über die Schulter.

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Daniel Christensen – Bühnenwelt Selbstporträt

DIE DEUTSCHE BÜHNE 1/2018

“Der Einflüsterer im Tarnanzug”

Selbstporträt Daniel Christensen

Aus Henrik Ibsens gesellschaftskritischem „Der Volksfeind“ wurde in der Inszenierung von Hermann Schmidt-Rahmer am Schauspielhaus Bochum mit dokumentarischen Texten das explosive Gegenwartsstück „Volksverräter!!!“. Der von Daniel Christensen (Athanor Akademie Absolvent und Dozent) gespielte Provinzblatt-Redakteur Hofstadt ist in dieser Umschreibung des Klassikers eine zentrale Figur. Im Selbstporträt berichtet der Schauspieler von dieser neu entstandenen Rolle.

Unser Autor:

Daniel Christensen arbeitet als Schauspieler für Theater, Film und Fernsehen.

  • Geboren 1978 in Wasserburg am Inn
  •  Schauspielausbildung in der „Athanor Akademie für Darstellende Kunst“ Schauspielschule in Passau
  • Engagements am Landestheater Salzburg, am Theater in der Josefstadt Wien, am Schauspiel Frankfurt und dem Düsseldorfer Schauspielhaus
  • Gastengagements u.a. am Thalia Theater Hamburg, Schauspiel Hannover, Deutschen Theater Berlin
  • Zusammenarbeit mit Christoph Schlingensief, Dimiter Gotsche , Andreas Kriegenburg, Stephan Braunschweig, Peter Greenaway und Hermann Schmidt-Rahmer

Brüderbande – Theater heute

Manuel und Günther Harder – von Dortmund über Leipzig nach Stuttgart und Hannover: ein Halbbrüder-Doppelporträt

(…) Nach  dem theaterwissenschaftlichen Flop in Berlin hat Bruder Manuel auf eine Anzeige reagiert, die gleich beider künstlerisches Leben komplett neu sortiert und orientiert hat – eine neue Theater-Akademie war da gerade gegründet worden im bayerischen Grenzstädtchen Burghausen; “Athanor” hatte der Leiter David Esrig als Ziel- und Orientierungstitel an dieser Akademie für Darstellende Kunst ausgewählt. Dieser Regisseur und Theaterlehrer, aus politischen Gründen von Rumänien nach Deutschland übergesiedelt und – so beide Harders – “ein wirklich charismatischer Theatermensch”, ist zur zentralen künstlerischen Persönlichkeit für beide geworden; erst für Manuel, der mit immerhin schon 24 Jahren zum Gründungsjahrgang gehörte, danach auch für Günther, der eigentlich Schriftsteller werden wollte, mit Journalismus als Brotberuf. Nach erster, eher oberflächlicher, ja “stinkfauler” Studiererei in Freiburg allerdings (Anglistik, Philosophie, Geschichte) und mit immer weniger Orientierung im Kopf, führte es ihn dann aber ebenfalls zu Athanor. Da war der ältere Bruder dort gerade fertig geworden, und für sehr kurze Zeit ist der eine sogar Lehrer für den anderen gewesen.

Neulich, erzählen die beiden, hätten sie übrigens auf jeweils eigene Weise Dank abgestattet; in Passau, wohin Athnaor mittlerweile umgezogen ist. Erst spielte Manuel “Die Anmaßung”, das in Stuttgart produzierte Monodrama von Carsten Brandau, in dem der Schauspieler sehr intensiv auch von sich selber erzählt, mit eigenem Bewusstsein im eigenen Beruf, und von der eigenen Rolle in der Gesellschaft und für sie; und dann  stellte sich Günther vor, musikalisch mit dem eigenen “e.a.r.”-Projekt. David Esrig, mittlerweile auch schon über 80, war spürbar berührt von der Bremer Harder-Family: Auch seine Athanor-Gründung lebte und lebt ja stark vom Begriff der produktiven, spieltheoretisch grundierten Theaterfamilie, Athanor soll wie ein Kessel sein, in dem die künstlerischen Ideen aller Mitsteriter möglichst kreativ miteinander köcheln. (…)

Quelle: Theater heute 11/16, S. 49f.

Imaginarium in der Dreiflüssestadt – INNSIDE

In Passau hat eine Schauspielschule eröffnet

Geleitet wird sie von der rumänischen Regie-Koryphäen Dr. David Esrig. Seine Lehrmethode ist genauso wirkungsvoll wie mysteriös. Valentina Nikiforova hat die Schule in Grubweg besucht und ist ihrem Geheimnis auf die Spur gegangen.

Bühne ohne Vorhang, im Publikum – Eltern, Freunde und einige Fotografen. Sie blicken auf die schwarze Szene mit einer Badewanne. Der männliche Teil des Duetts, dass uns erwartet, ist schon da. In den nächsten 60 Minuten wird er genießen und leiden, geliebt sein und verlassen werden. Das Stück wird die Zuschauer nach Osteuropa des 19. Jahrhunderts entführen. Aber noch sind sie im Passauer Grubweg. Hier hat vor kurzem die „Athanor Akademie für Darstellende Kunst“ ihre Türen geöffnet. Es ist eine private, staatlich anerkannte Fachakademie – die einzige dieser Art in Bayern. Das Studium dauert vier Jahre. Zwei Schwerpunkte der Ausbildung sind Schauspiel und Regie. Insgesamt studieren hier etwa 30 junge Menschen. Der Lehrkörper ist nur wenig kleiner.

„Athanor“ bewohnt die ehemalige Grundschule. Zu diesem Zweck wurde sie renoviert und modernisiert. Jeder, der die dieses Gebäude betritt, ahnt den grundschulischen Hintergrund. Die Mosaiken aus den 70-ern an den Wänden sprechen deutliche Sprache. Aber nun stehen daneben keine einfachen Pausentische, sondern moderne Designermöbel. In den weiten, lichten Gängen hängen Fotos, Kuriositäten, ein Bild mit „Kafka“-Schriftzug darauf. Jeder Raum wurde anders gefärbt: z.B. pink, gelb oder blau. Die Farbe hat keinen anderen Zweck, als nur Laune zu machen. Hier steht eine bewegliche Bühne, da – ein Trampolin. Vom Requisitenraum ganz zu schweigen. Er beherbergt ein fröhliches Durcheinander – Laternen, Kochutensilien, ein bulgarisches Tee-Set, ein Nachttopf, Rüstungen, Mützen, Engelsflügel und Klamotten. Als wären hier die besten Stücke vom Trödelmarkt auf der Innpromenade versammelt. Viele Räume sind mit einer angedeuteten Bühne versehen, damit die Studenten die Verwandlung deutlicher spüren. Dann wäre noch der Raum für die Regisseure. Und da steht die Wanne wieder. Nur ungefähr so groß wie ein kleines Modelauto. Die Bühne ist aus Karton und steht auf dem Tisch. Die zukünftigen Kino- und TV-Rollen werden ebenfalls in einem speziellen Raum geprobt. Gisela Werner, Pressesprecherin der Schule, erklärt, dass jede Bewegung in der Kamera viel intensiver wirkt als auf der Bühne. Und so wird geübt. In einem Raum, der wie ein Messestand aussieht – mit mobilen Wänden und Schienen für die Beleuchtung. Die 3.000 m2 Übungs-, Theorie- und sonstige Räume, die die Theaterausbildung so braucht, sind zumindest optisch fertig gestellt. Die angehenden Künstler, ihre Mentoren und Gäste genießen die hellen Räume, die breiten Gänge, die Ruhe eines Wohngebietes und einen weiten Ausblick über die Donau.

„Athanor“ gegründet 1995 in Burghausen vom rumänischen Regisseur David Esrig. Dort bewohnte die Schule eine Burg. Nach vielen Jahren musste sie sie aber verlassen – die Burgherren hatten eine andere Verwendung dafür, der Mietvertrag wurde nicht verlängert. Die Leitung suchte eine neue Bleibe. Die Wahl fiel auf Passau. „Passau ist eine interessantere Stadt. Die Kulturenergie hier ist höher als in anderen Städten mit zweimal so vielen Einwohnern,“- das spürte David Esrig schon von Burghausen aus. „Hier kochen die Dinge!“ – so der 80-jährige Akademiegründer. Seine Lebensgeschichte ist dramatisch, erfolgreich, international. Sein didaktisches Know-How sammelte er sich über viel Jahre an. Er studierte, promovierte, habilitierte. Auf die preisgekrönten Inszenierungen in Rumänien der 60er Jahren, folgte Bekanntheit im Westen. Mit ihr kamen für einen unparteiischen Künstler die Probleme im sozialistischen Land. Seine Stücke wurden verboten. Aus diesem Grund ging David Esrig über einen kurzen Aufenthalt in Paris nach Deutschland, über Bremen nach München. Von 1976 bis 1979 hatte er einen Lehrauftrag an der Münchner Theater-Universität. In den achtziger Jahren arbeitete er dort als freier Regisseur, war Schauspieldirektor am Nationaltheater Bukarest, am Stadttheater Bern (1979–1980) und am Stadttheater Essen (1981–1984). Später gründete er an der Münchner Theater-Universität den Verein „Athanor e.V.“ zur Förderung der Kunst des Theaters. Aus dem später die Schule in Burghausen hervorging. Esrig nannte sie nach dem Ofen der Alchemisten – Athanor.

Hier schmiedete er professionelle Freigeister. Sie sollen nicht nur ihr Handwerk lernen, sondern mögliche Wechselberufe für die Zeit, wenn sie auf einem neuen Skript oder Regieauftrag warten. Dann können sie z.B. als Beleuchter ihr Geld verdienen. Dieser praktische Umgang mit dem unbeständigen Beruf ist wichtig für die Absolventen. In der Schule wird aber natürlich nicht nur Bodenständiges gelernt. Die Esrig-Methode hat ein Geheimnis. Er lehrt seine Schüler „Erlebnisse einer anderen Qualität“ auf der Bühne zu schaffen, „die Essenz der Wahrheit, nicht ihre Schale“ zu spielen. Die Zuschauer sollen Theater als Kunstform erleben, nicht nur als Nachahmung der banalen Realität. Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht. Wir sind es gewohnt, dass in den Filmen und auf der Bühne die Schauspieler viel reden. Aber erinnern Sie sich noch an die Stummfilme? Die Figuren darin haben wenig oder gar nicht gesprochen. Die Geschichte war trotzdem klar. Mit diesem Wissen um Theater besser „lehren“ zu können, geht Esrig als Pädagoge der „Mechanik“ des Theaters an: „Schauen wir uns andere Kunstgattungen an. Mit was arbeiten sie? Musik – mit Klang, Malerei – mit Farben, Architektur – mit Promotion, Literatur – mit Worten. Und Theater? Das Urmaterial des Theaters sind menschliche Aktionen. Menschen agieren.“

Früher war das Theater rezitiert, also gesprochen. Die Athanor-Schüler aber bauen ihre dramatischen Werke auf der Bühne nicht nur mit Worten, sondern mit Handlungen auf. Mehrmals im Semester führen sie ihre Stücke den Zuschauern vor. Auch an diesem kühlen Märzabend, als „Venus im Pelz“ – eine SM-Novelle von Leopold von Sacher-Masoch – Premiere feiert.

Sacher-Masoch beschreibt die extremen Wechselbäder (hier haben wir das Bad wieder) der Gefühle, die der „Sklave“ Severin durch seine Herrin Wanda erfährt. Als feminin-dominante Venus im Pelz treibt sie ihn an seine körperlichen und geistigen Grenzen. Am Ende verlässt sie ihn – wegen eigener unbefriedigten Unterwerfungssehnsucht oder aber um ihn von seinem Masochismus zu heilen. Somit setzt „Athanor“ Zeichen für ein modernes Theater in Passau.

Dabei ist die gewagte Story nur eine studentische Marotte, ein Scherz. Das wirklich Wichtige für den Zuschauer ist die Qualität und die Innovation, witzige Dialoge, dynamische Handlung und agierende Schauspieler, die die Gäste mitreißen. „Athanor“ bringt den Passauern mehr als nur Ansehen für eine zweite Hochschule, ein Paar neue Mieter und einen neuen Treffpunkt für modernes Bühnenspiel in der Stadt. Es ist eine kulturelle Bereicherung für die ganze Stadt. Als würde jemand in einem dumpfigen Raum ein Fenster aufmachen. Die frische Luft erlaubt uns nicht nur voll aufzuatmen, sie bring neue Ideen, Bewegung und Freiheit mit sich. Das Theater schafft einen zusätzlichen Freiheitsgrad für unser Leben, eine vierte Dimension. Das Theater gibt uns Erlebnisse, die wir sonst nirgendwo spüren können. Wenn wir Glück haben, wird uns ein Stück inspirieren etwas Neues im unseren Leben zu probieren. „Agieren heißt vieles versuchen, untersuchen und probieren. Ich glaube, dass Theater eine enorme Funktion in diesem Sinne hat“, – resümiert David Esrig. „Athanor“ gibt Feuer ins das kulturelle Geschehen. Die Etablierung der Schule in der Dreiflüßestadt, ist ein richtiger Schritt für ein vielseitiges, aufgeschlossenes und modernes Passau.

Quelle: INNSIDE 5/2016, S. 22f.

Verwandlungen im Wunderland – PNP

Erstsemester der Athanor Akademie Passau brillieren mit selbst konzipiertem Stück.

Die Nachwuchsschauspieler der Athanor Akademie Passau brillieren mit ihrem selbst konzipierten Stück „Verwandlung” frei nach „Alice im Wunderland”.
„Ich bin Alice”, sagt das Mädchen und steht leicht wippend und mit nach vorne geöffneten Handflächen am Bühnenrand. In ihren weit aufgerissenen Augen spiegelt sich das schillernde Wunderland, die fiktive Welt, in die sie vor der erbarmungslosen Realität geflüchtet ist. An drei Abendvorstellungen an diesem Wochenende entführten die Studierenden des ersten Semesters der Athanor Akademie in Passau ihr Publikum in ihr phantastisches Athanorwunderland. „Verwandlung” ist sowohl Titel als auch Thema der Aufführung. Eine Wandlung der Perspektive, dem weißen Kaninchen hinterher ins Wunderland. Gleichzeitig beschreibe der Titel aber auch die Verwandlung der Studenten selber hin zu professionellen Schauspielern, so der Regieleitende Dozent Florin Vidam.

Zusammen mit dem an der Akademie unterrichtenden Schauspieler und Regisseur hatten sich die Schüler im Rahmen des Kurses „Improvisation” ein Konzept für die Aufführung erarbeitet. Im Mittelpunkt stehe die Idee, so der Dozent, dass jedes junge Mädchen sich selber einmal wünsche Alice zu sein, um damit einen Ausweg aus schwierigen Situationen finden zu können. So dienten den heranwachsenden Schauspielern zwar Szenen aus dem Kinderbuch „Alice” von Lewis Caroll als Grundlage, doch bestand ihre Leistung vor allem darin, eigene biographische Momente in die Handlung einzuflechten. Bereits in den ersten Takten der Aufführung kristallisiert sich dieser Spagat zwischen harter Realität und phantastischen Elementen heraus, den die sechs Erstsemester professionell umzusetzen wussten. Dumpfe, pochende Musik leitet die erste Szee ein, in der das junge Mädchen Alice (Pia Pflug) erkennt, dass sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater eine Affäre haben. Um dieser bitteren Wahrheit zu entfliehen wünscht sie sich die Alice aus dem Wunderland zu sein und landet prompt in einem vom Hutmacher, den Zwillingen Dideldei und Dideldum, Grinsekatze und Co. bevölkerten Reich. „Schon wieder zu spät”, ruft Felix Sedimeir, der in Märzhasenmanier über die Bühne hoppelt, während Alice verzückt durch die wunderliche Welt wandelt. Nacheinander nehmen nun vier der Schauspieler die Rolle „Alice” an und flechten auf diese Weise jeweils eigene Erlebnisse in die Handlung ein. In einer Szene verkehrt sich der merkwürdig maskierte Hutmacher in die Fratze der Realität, in der er den gestorbenen Vater verkörpert und Alice, hier gespielt von Angela Niedermeier, ehrliche Verzweiflung erlebt. In einer anderen Szene rollen der Schauspielerin Nora Labancz echte Tränen über ihr Gesicht, mit denen sie einer verlorengegangenen Erinnerung nachempfindet. Mit Kichern quittieren die Zuschauer den Märzhasen, der mit einer Gießkanne Regentropfen auf ein Liebespärchen (Arthur Hieb, Anastasia Starodubova) rieseln lässt. Man merkt den jungen Schauspielern die Freude und den Genuss am Spielen geradezu an. Doch egal, ob es sich nun um das Darstellen übertriebenen Glücks, Verzweiflung oder tiefe Trauer handelt, in all diesen Extremen bleiben sie doch bei sich und spielen konzentriert ihre Rollen. Gerade diese Disziplin sei es, die echte Bühnenpräsenz verlange und die die Charaktere so lebendig erscheinen ließen, so der Direktor der Akademie David Esrig. Das „sehr gut”, mit dem er die Leitung seiner Studenten beschreibt, klingt aus seinem Mund wie eine Bestkritik der New York Times. Und so empfinden wohl auch die Nachwuchsschauspieler. Nach einer schlichten Verbeugung machen sie sich hinter der Bühne mit lautem Juchzten Luft.

Quelle: Passauer Neue Presse
Rebecca Seeberg

Zukunftsperspektiven für Theaterakademie Athanor – Wochenblatt

MdL Waschler bringt Kooperationen ins Gespräch

Wenn es um eine Ausbildung in den Bereichen Schauspiel und Regie geht, dann ist die Athanor Akademie in Passau ein innovatives Anlaufzentrum.

Seit über 20 Jahren führt sie Bewerber in die hohe Kunst von Theater, Film und des medialen Schaffens ein. „Wir bil-den Menschen aus, die bereits ein breites Spektrum an Fantasie und einen starken Aus-druckswillen mit sich bringen und sehen uns selbst als Labor zur Erforschung und Umset-zung von Ideen und Prozessen in der Welt der ausdrückenden Künste“, so Akademieleiter Prof. Dr. David Esrig bei einer Gesprächsrunde, zu welcher er MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler eingeladen hatte.

Gemeinsam haben sich der Politiker und der Akademieleiter über die Zukunftsperspektiven der Akademie ausgetauscht. „Es ist wirklich beeindruckend was hier geschaffen wurde, eine Akademie auf hohem Niveau und ein wichtiger Beitrag zur Kulturlandschaft in der gesamten Region. Außerdem konnten bei dem Gespräch nachhaltig Missverständnisse aus vergangen Jahren ausgeräumt werden“, hebt MdL Waschler nach einem Rundgang hervor. „Auch wir wollen zum Kulturleben in Passau beitragen – das ist unsere Zielsetzung“, betont Dr. David Esrig und erkundigte sich in diesem Zusammenhang auch über eventuelle finanzielle Unter-stützungsmöglichkeiten. Schließlich sei dies letztlich auch zum Vorteil des Passauer Kultur-publikums und der Studierenden. Die Athanor Akademie pflege bereits intensive Verbindun-gen in die internationale Kulturwelt, vordergründig im pädagogischen Bereich von Theater und Film.

Der Abgeordnete sicherte seine Unterstützung zu und sprach außerdem diverse bereits be-stehende Kooperationen von Kulturinstitutionen an. „Interessant wären sicherlich auch eine Anbindung der Akademie an die Donaustrategie der Europäischen Union sowie Förderpro-gramme im Bereich des Kulturfonds“, so Waschler abschließend.

Wir sind in Passau angekommen – PNP

David Esrig ist eine Theater-Koryphäe

David Esrig ist eine Theater-Koryphäe – Zum 80. Geburtstag spricht er voller Tatkraft über den Umzug seiner Athanor-Akademie, Wahrhaftikeit und seine Nachfolge
Unter den Augen des diktatorischen Staatsapparats von Nicolae Ceausescu inszenierte David Esrig Samuel Beckets Drama “Warten auf Godot” – die Zensoren untersagten die Aufführung. Er inszenierte Shakespeares “Der Sturm” – die Zensoren verboten auch dies, nach zwei Jahren Arbeit. Im selben Jahr, 1973, kündigte der Regisseur am Nationaltheater Bukarest und emigrierte. Theater, das ist für den Leiter der Passauer Athanor Akademie für Schauspiel und Regie seither eine existenzielle Frage, wie er im Gespräch zu seinem heutigen 80. Geburtstag erklärt.

“Manchmal sind Leute ohne Ausbildung stärker”Herr Ersig, Sie werden am Mittwoch 80 Jahre alt. . .

Esrig: Ja, ich habe das gar nicht bemerkt. Wann das geschehen ist, ist mir rätselhaft.

Sie sind immer noch aktiv als Leiter der Athanor Akademie. Darf man daraus schließen, dass sie ein glücklicher (Theater-) Mensch sind?

Esrig: Unser Glück ist, dass wir sehr angespannt sind in der Arbeit, dass sie uns herausfordert. Routine ist da gar nicht möglich, das ist mir zweite Natur geworden. Und darum bin ich aktiv und arbeite hart, dass diese Athanor Akademie eine Zukunft hat – auch ohne mich.

Was antworten Sie jenen, die sagen: Prof. Esrig muss endlich seine Nachfolge regeln. Nicht dass seine Studenten eines Tages ohne Chef dastehen.

Esrig: Diese Stimmen gab es schon zu Burghauser Zeiten. Und es gab Kandidaten von außerhalb der Theaterwelt: Politiker wissen, dass ihr Mandat irgendwann endet, und da denken sie an die eigene Zukunft, ist ja menschlich. Aber abgesehen davon gibt es Leute unter unseren Dozenten, deren Ansichten zum Theater den meinen sehr verwandt sind und die immer engagierter mit mir lernen und lehren. Aus diesem Kreis wird sich eine neue Leitung finden. Ein Zeitpunkt steht derzeit noch nicht fest.

Filmstars wie Elias M’Barek und Oscar-Preisträgerin Jennifer Lawrence waren nie auf einer Schauspielschule. Der spätere Intendant des Theaters an der Rott, Mario Eick, hat das Probesemester bei Athanor nicht bestanden. Ist eine Schauspielausbildung gar nicht so wichtig?

Esrig: Doch. Sie ist wichtig, wenn jemand ein Leben lang mit der Schauspielerei Geld verdienen möchte. Manchmal sind Leute ohne Ausbildung – wenn sie sehr klug besetzt sind – noch stärker als ausgebildete Schauspieler. Der Unterschied ist, dass der Ausgebildete über eingeübte Lösungen verfügt. Der nicht Ausgebildete hat diese nicht, er muss aus seiner eigenen existenziellen Wahrheit schöpfen und kann damit umso mehr überraschen. Ob man damit lebenslänglich als Schauspieler arbeiten kann, ist die Frage. Manche können es, aber das ist dann Glückssache und Naturtalent.

Was bedeutet Ihnen Theater?

Esrig: Ich habe Theater erlebt als eine Art, sich selbst zu definieren und zu behaupten. Ich habe mit dem Theater angefangen unter der Diktatur in Rumänien – und dafür allerlei Auszeichnungen bekommen als Kämpfer für die Demokratie. So wurde meine Arbeit wahrgenommen, und darüber bin ich sehr froh. Die Art von Theater, die mich interessiert, nenne ich existenzielles Theater. Das bedeutet: Was man auf der Bühne sieht, trifft wichtige Punkte unserer Existenz. Dieses Theater muss nicht immer angenehm sein – es ist eine Stellungnahme zu allem, was den Menschen bewegt.

Vor einem Jahr haben Sie mit ihrer Akademie Burghausen verlassen und sind nach Passau gezogen in die Räume der ehemaligen Grundschule in Grubweg. Hat sich der Umzug gelohnt?

Esrig: Ich hoffe es! Wir wurden gekündigt in Burghausen, alles andere sind nette Unwahrheiten. Wir sind in Passau angekommen, ich habe gute Kontakte zur Universität, mehrere Dozenten von dort werden bei uns unterrichten, z.B. Stimmpädagogik und Filmsemiotik. Wir haben fast doppelt so viel Platz wie in Burghausen, aber leider hat unser Umbau länger gedauert als geplant, unser Theaterraum wird hoffentlich noch dieses Jahr fertig – es wird ein neuer Veranstaltungsraum für Passau werden.

Sind sie in Kontakt mit weiteren Institutionen?

Esrig: Wir haben einen Dialog begonnen mit dem Scharfrichterhaus, um die kritisch-satirische Linie der dramatischen Kunst bei uns zu intensivieren. Wir sind im Gespräch mit der Familie Vesper, die nicht nur Kinos besitzt, sondern auch eine große Leidenschaft für Filmkunst. Athanor ist eine Akademie für Schauspiel und Regie für Theater und Film, viele unserer Absolventen machen gute Arbeit im Film, etwa Daniel Christensen aus Burghausen. Und ich möchte bald Intendant Stefan Tilch vom Landestheater Niederbayern kennenlernen und über mögliche Kooperationen sprechen. Unsere Absolventin Josepha Sophia Sem hat ja lange dort gespielt.

Wann werden die Passauer das Ergebnis Ihrer Arbeit bewundern können?

Esrig: Sobald der Theaterraum fertig ist, sicherlich aber in der ersten Hälfte von 2016.

Interview: Raimund Meisenberger
Quelle: Passauer Neue Presse vom 23.09.2015
Ressort: Feuilleton
Dokumentnummer: 29 50535075

Regie- und Schauspielschule – PNP

Am Dienstag beginnt die Athanor ihren Betrieb

Im Passauer Stadtteil Grubweg werden ab nächster Woche Regisseure und Schauspieler ausgebildet.

Noch wird gehämmert, gemalert, Elektrokabel verlegt und vieles mehr – doch am Dienstag ist es dann soweit: Die Athanor Fachakademie für Darstellende Kunst beginnt offiziell ihren Betrieb im Passauer Stadtteil Grubweg.

Die Regie- und Schauspielschule hatte bisher ihren Sitz im oberbayerischen Burghausen. Nachdem es zwischen dem dortigen Bürgermeister und dem Athanor-Schulleiter Dr. David Esrig nicht ganz so rosig lief, hatte man sich entschieden Burghausen zu verlassen und in Niederbayern einen Neustart hinzulegen. Ausgesucht hatte man sich das leer stehende ehemalige Grundschulgebäude in Grubweg. Seitdem wird dort fleißig renoviert. In wenigen Tagen, am 16. September, beginnt das neue Semester an der privaten Regie- und Schauspielschule.

Der vordere Teil des Gebäudes wurde bereits so weit saniert und umgebaut, dass der Unterricht regulär stattfinden kann. Schließlich sollen die Schauspiel- und Regieschüler, die monatlich ein Schulgeld von 325 bis 350 Euro zahlen, trotz des Umzugs von Burghausen nach Passau und trotz des Umbaus keinen Unterrichtsausfall haben. Damit der Umzug etwas schneller geht, haben sich zudem zahlreiche Studierende bereit erklärt beim Einräumen und Putzen mitzuhelfen.

In einigen Unterrichtsräumen, die in knalligen Farben wie Neongelb oder Dunkelgrün gestrichen sind, befinden sich kleine Bühnen. So müssen nicht mehr – wie im Gebäude in Burghausen – schwere Podeste durchs Schulhaus geschleppt und mühlselig aufgebaut werden. Durch Scheinwerfer an der Decke und der kleinen Bühne im Raum wird automatisch eine Theaterbühnen-Situation geschaffen. Optimal für die angehenden Schauspieler/innen und Regisseure.

Auch in Sachen Sporthalle konnten sich die Stadt Passau und die Fachakademie einigen. In der Sporthalle in Grubweg, die sich direkt neben dem Athanor-Gebäude befindet, machen viele Vereine Sport. Oft ist die Halle belegt. Doch Sport-Dozent Stefan Hetzer konnte alles regeln. Die Athanor darf die Halle ebenfalls mehrmals die Woche nutzen. Schließlich müssen die Schauspielstudenten für die Theaterbühne körperlich fit gemacht werden. Geplant ist außerdem, dass im Geräteraum ein Teil frei geräumt wird und dort ein kleine „Fitness-Ecke“ entsteht. Hier sollen Trimmräder und Geräte zum Muskelaufbau hingestellt werden.

Noch ist der hintere Teil des Gebäudes eine Baustelle. Und das wird wohl auch noch dauern. Im hinteren Teil entstehen Räume für Sportfächer wie Tanz, Bühnenkampf, Biomechanik und Sensibilisierung. Auch der riesige Aufführungsraum, der bis zu acht Meter hoch werden soll, entsteht dort. Auch ein Aufzug ist geplant. Bis dieser Gebäudeteil aber fertig ist, kann es mehrere Monate dauern. Als Übergangslösung dürfen die Studierenden einen von der Stadt Passau zur Verfügung gestellten Gymnastikraum nutzen. „Unsere Studierenden und Dozenten müssen halt in nächster Zeit ein bisschen toleranter sein. So ein Umzug dauert nun mal“, so Athanor-Pressesprecherin Gisela Werner. Doch für alle Beteiligten ist das kein Problem. „Man freut sich einfach auf das Neue, was da kommt, hier in Niederbayern“, so ein Student.

Auch für viele Anwohner in der Schulbergstraße rund um das Gebäude ist es OK, dass die Fachakademie für Darstellende Kunst dort ihre Zelte aufschlägt. „Klar, das Hämmern auf der Baustelle kann manchmal etwas nerven, aber an sich ist es doch eine tolle Sache und Bereicherung für Passau und unseren Stadtteil Grubweg. Mehr Kultur!“, so eine Anwohnerin. Weitere Infos zur Regie- und Schauspielschule finden Sie HIER.

Interview mit Theater-Koryphäe Prof. David Esrig – PNP

„In Passau angekommen“

Prof. Dr. David Esrig

Unter den Augen des diktatorischen Staatsapparats von Nicolae Ceausescu inszenierte David Esrig Samuel Becketts Drama “Warten auf Godot” − die Zensoren untersagten die Aufführung. Er inszenierte Shakespeares “Der Sturm” − die Zensoren verboten auch dies, nach zwei Jahren Arbeit. Im selben Jahr, 1973, kündigte der Regisseur am Nationaltheater Bukarest und emigrierte. Theater, das ist für den Leiter der Passauer Athanor Akademie für Schauspiel und Regie seither eine existenzielle Frage, wie er im Gespräch zu seinem 80. Geburtstag am 23. September 2015 erklärt.

Herr Esrig, Sie werden am Mittwoch 80 Jahre alt. Was antworten Sie jenen, die sagen: Prof. Esrig muss endlich seine Nachfolge regeln. Nicht dass seine Studenten eines Tages ohne Chef dastehen. 

Esrig: Diese Stimmen gab es schon zu Burghauser Zeiten. Und es gab Kandidaten von außerhalb der Theaterwelt: Politiker wissen, dass ihr Mandat irgendwann endet, und da denken sie an die eigene Zukunft, ist ja menschlich. Aber abgesehen davon gibt es Leute unter unseren Dozenten, deren Ansichten zum Theater den meinen sehr verwandt sind und die immer engagierter mit mir lernen und lehren. Aus diesem Kreis wird sich eine neue Leitung finden. Ein Zeitpunkt steht derzeit noch nicht fest.

Filmstars wie Elias M’Barek und Oscar-Preisträgerin Jennifer Lawrence waren nie auf einer Schauspielschule. Der spätere Intendant des Theaters an der Rott, Mario Eick, hat das Probesemester bei Athanor nicht bestanden. Ist eine Schauspielausbildung gar nicht so wichtig?

Esrig: Doch. Sie ist wichtig, wenn jemand ein Leben lang mit der Schauspielerei Geld verdienen möchte. Manchmal sind Leute ohne Ausbildung − wenn sie sehr klug besetzt sind − noch stärker als ausgebildete Schauspieler. Der Unterschied ist, dass der Ausgebildete über eingeübte Lösungen verfügt. Der nicht Ausgebildete hat diese nicht, er muss aus seiner eigenen existenziellen Wahrheit schöpfen und kann damit umso mehr überraschen. Ob man damit lebenslänglich als Schauspieler arbeiten kann, ist die Frage. Manche können es, aber das ist dann Glückssache und Naturtalent.

http://www.pnp.de

(C) 2019, Athanor Akademie.

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